"Afrika für
19,95 €"
Jagdstrecke erfüllt!
Heia Safari
Wonder Warthog
Ja, bin ich denn in einem Afrika-Film?
Es dauerte 55 Jahre, bis auch ich einmal in einem Preisausschreiben etwas gewann. Das Weiberrevier e.V. hatte in der Zeitschrift Wild und Hund ein Preisausschreiben gestartet. Hierbei hatte ich den 2. Preis , 7 Tage Ranch - Aufenthalt auf der Makuto - Ranch in Südafrika gewonnen. Mit eingeschlossen in dem Preis war der Abschuss eines Impallas und eines Warzenschweines. Ein lang gehegter Traum ging somit in Erfüllung. Endlich nach Südafrika.
Nach Rücksprache mit der Geschäftsführerin des Weiberreviers, Frau Claudia Diewald, hatten wir sehr bald den Flug bzw. den Termin des Aufenthaltes in Südafrika festgemacht. Natürlich konnte ich auf dieser Reise meine Frau nicht zu Hause lassen, denn Sie hatte ja schließlich alle schriftlichen Arbeiten beim Preisausschreiben erledigt. Da auch Sie Jägerin ist, buchte ich für sie einen Komplettaufenthalt zur gleichen Zeit einschließlich eines Abschusses Impalla, Blessbock und Warzenschwein. Sieben Tage Aufenthalt in Südafrika für 1.390,00 € empfand ich als nicht zu teuer.
Der Flug sollte mit der Air France von Hannover über Paris nach Johannesburg gehen. Das eigentliche Jagdabenteuer sollte ja erst auf der Ranch beginnen, fing aber schon auf dem Flug an. Das Flugzeug, welches um 19.20 Uhr von Hannover nach Paris fliegen sollte, stand zu diesem Zeitpunkt noch in Paris. Und jetzt begann ein Wettlauf mit der Zeit. Schließlich war alles so organisiert, dass wir am nächsten Morgen in Johannesburg vom Flughafen abgeholt werden sollten. Nach einem Zitterflug nach Paris, wo wir um 23.00 Uhr landeten, dann im Schweinsgalopp über den Pariser Flughafen stürmten, saßen wir um Punkt 23.15 Uhr in der Maschine Richtung Johannesburg. Eine Minute später und diese Maschine wäre weg gewesen. So landeten wir doch glücklich und zufrieden, pünktlich am nächsten Morgen in Johannesburg.
Peter, der Manager der Makuto Ranch holte uns vom Flughafen ab und nach 3 Stunden Autofahrt über die besten Straßen Südafrikas, aber letztendlich doch die letzten paar Kilometer Schotterpiste, kamen wir am Nachmittag auf der Ranch an. Wir waren überrascht und hoch erfreut, fanden wir doch keine alten Lehmhütten vor, sondern die Ranch war vom feinsten. Mehrere Appartments, dazu moderne Aufenthaltsräume, Grillplätze und das schönste auf dieser Ranch, ein riesiger Schwimmingpool. Wo hat es das schon in Südafrika gegeben.
Am gleichen Tage auf die Jagd zu gehen, so verrückt waren
wir aber doch nicht. Nachdem wir unseren Probeschuss absolviert hatten, denn
wir hatten unsere eigenen Waffen nicht mitgenommen, sondern hatten uns die 2
Kugelbüchsen der Ranch ausgeliehen, eine Büchse mit dem Kaliber 7x64
und eine Blaser mit dem Kaliber 300, war Peter, mit unserer Schussleistung zufrieden.
Abends kam dann der Jagdführer für die nächsten 3 Tage auf der Ranch an. Erik sollte uns auf Warzenschwein und Impalla führen. Am nächsten Morgen um sechs Uhr ging es los. Für meine Empfindung schon etwas zu spät, denn ab 5.00 Uhr wurde es bereits hell. Wir mussten nun erst einmal in das Jagdgebiet fahren. Die Makuto Ranch hat eine Größe von 1.200 Hektar. Die gesamte bejagbare Fläche ist aber 82.000 Hektar groß. Unsere Jagd sollte im entferntesten Winkel dieses Jagdgebietes durchgeführt werden. Nach einer Stunde Autofahrt kamen wir im Revier an. Nach kurzer Begrüßung durch den Farmbesitzer ging es unter der Führung von Erik mit einem schwarzen Begleiter ins Revier. Immer wenn wir Warzenschwein oder Impalla sichteten ging es pirschend in Richtung Wild. Und jetzt zeigte sich der Busch von seiner ganzen Härte. Es gibt nicht einen Strauch der keine Dornen hat. Wie wäre es auch sonst möglich, dass der Busch nicht braun ist, sondern auch die grüne Farbe trägt. Geschickt den Dornen ausweichend, war es dann nach 5 Stunden des Pirschens soweit. Wir hatten auf 100 Meter ein Warzenschwein im Anblick. Meine Frau sollte zuerst dran sein. Sie erlegte den Warzenschweinkeiler mit einem sauberen Blattschuss. Die Freude war groß. Auf der Strecke lag ein dreijähriger Keiler.
Nun
war ich an der Reihe. Aber wir mussten noch weitere 4 Stunden pirschen, damit
auch ich dann zum Jagderfolg kam. Auf ca. 100 Meter Entfernung konnte ich einen
10-jährigen Warzenschweinkeiler erlegen. Ein Keiler mit einer Waffenlänge
von 31 cm. Somit war der 1. Jagdtag ein voller Erfolg und wir konnten den nächsten
Tagen mit Ruhe entgegen sehen.
Am nächsten Morgen, pünktlich um 6.00 Uhr ging es wieder los. Dieses Mal aber nicht soweit, sondern wir fuhren nur ins Nachbarrevier. Hier sollte es auf Impalla und eventuell auf Warzenschwein gehen. Aber scheinbar ist es so, dass die Morgenjagd nicht unser Ding ist. Zweimal hatte ich mit unserem Führer, Erik, den Impallabock vor, aber zweimal habe ich mit der Blaser gefehlt. Der Abzug war einfach nicht mein Ding. Mein sensibler Finger war bisher nur einen Stecher gewohnt. Wir entschieden uns, dass ich ab dem Nachmittag die Waffe von Erik, eine Steyer Mannlicher, Kaliber 308 mit einem rasanten Geschoss führen sollte. Nach zwei Probeschüssen auf die Anschussscheibe war ich begeistert. Normalerweise könnte jetzt nichts mehr schief gehen. Aber erst einmal war am Abend noch Brigitte dran. Auf der Suche nach einem Impallabock stießen wir im Gestrüpp bzw. hohem Gras auf 3 Böcke.
Erik und Brigitte setzten wir ab, damit diese die 3 Böcke anpirschen konnten. Wir selbst fuhren ein paar hundert Meter weiter um dadurch die 3 Stücke Wild abzulenken. Was wir aus der Ferne beobachten konnten, uns auch bestens gelang. Nach etwa 5 Minuten ein Schuss. Wir eilten zur Anschussstelle und fanden Erik und Brigitte freudig am Stück stehend. Ein alter Impallabock lag vor ihnen. Mit dem besten Trägerschuss erlegt. Es ist zwar nicht die Art, das meine Frau so schiesst, aber wenn es sein muss -“ Mehr war aber nicht zu sehen!“ dann kann Sie das auch.
Mit unserem Bock als Beute fuhren wir freudig erregt zur Ranch zurück. Zwei Tage Jagd, 2 Warzenschweine und 1 Impallabock. Was wollten wir noch mehr.
Am
nächsten Tage wieder die gleiche Aufstehzeit, aber wieder das gleiche Bild.
Bis Mittag sehr viel Wild gesehen, aber keine Strecke gemacht. Erst gegen Abend,
als Erik mich auf einen Impallabock führte, sollte das von Erfolg gekrönt
sein. Wir hatten ein Rudel Impallas ausgemacht, welche wir nun anpirschten.
Doch wie so oft, das Wild kann auch gut äugen und sie hatten uns spitz
bekommen. Aber Erik ließ nicht nach und führte mich wieder an das
Rudel heran. Kurz vorm Dunkel werden, auf einer Entfernung von über 200
Metern, war nur der Impallabock zu sehen. Erik ermunterte mich es doch einmal
zu versuchen. Über den Zielstock wagte ich den Schuss. Das Stück war
tödlich getroffen und verendete nach ein paar Fluchten. Die Freude war
groß. Wir standen an einem imposanten Impallabock. Vier Jagdtage, vier
Stücke Wild.
Wieder sollte es am nächsten Tag um 6.00 Uhr losgehen. Schon in der Nacht wurde ich von leichten Schmerzen geweckt. Drei Tage tot trinken, der vorher dargestellten Strecke, forderten Ihren Tribut. Mein Gichtzeh meldete sich. Trotz der Schmerzen ging es los. Brigitte sollte angesetzt werden auf einen Reedbock und der schwarze Führer ging mit mir pirschen auf Warzenschweine. Gesagt, getan. Der Sitz von Brigitte wurde anständig verblendet und Erik blieb mit ihr zurück. Der schwarze Führer fuhr mit mir in ein anderes Gebiet, wo die Warzenschweine zu Hause waren. Und so kam es auch. Wir erblickten die Schweine ruhend im Schattenbaum. Diese pirschten wir nun an, was uns unter Beachtung des Windes bis auf 200 Meter auch gelang. Dann hatten sie uns aber spitz und flüchteten. Wir pirschten hinterher. Um 10.00 Uhr in der Sonne von Afrika, vermutlich 50 Grad warm, warum tat ich es mir an ? Aber die nächste Rotte Sauen ließ mich schon von diesem Gedanken abkommen. Als diese 3 Schweine auf ca. 100 Meter verhofften, konnte ich einen guten Schuss anbringen. Vor uns lag ein Überläufer. Etwas Gutes für die Küche. Es sei bemerkt, das auf der Ranch jeden Abend gegrillt wurde. Immer Fleisch von heimischem Wild. Und das bei einer tollen Atmosphäre. Am Lagerfeuer konnte man den Tag Revue passieren lassen.
Aber dieser Super - Jagdtag sollte so nicht zu Ende gehen. Auch am Nachmittag um 16.00 Uhr brachen wir wieder auf um im gleichen Revier wie am Vormittag, bei Piet, auf Warzenschweine zu jagen. Über zwei Stunden vergebenster Müh, denn wir kamen immer nicht dicht genug heran. Aber dann endlich war es soweit. Drei Überläuferschweine wechselten vor uns vom freien Feld in den Dornenbusch. Auf einen Überläufer konnte ich einen Schuss anbringen. Leider nicht tödlich. Wir suchten allesamt nach Schweiß. Wir hatten uns etwas verteilt. Da eine Bewegung von mir. Die Sau stand 20 Meter vor mir und äugte mich an. Blitzschnell nahm ich das Gewehr hoch und erlegte die Sau spitz von vorne. Sie brach im Wald zusammen. Wieder ein Überläufer, der aber doch schon ganz ansehnliche Waffen hatte.
Am nächsten Tag, einem Sonntag, war Ruhetag. Keine Jagd mit der Büchse, sondern nur Jagd mit der Kamera. Am Montag, den 3. November, dem Hubertustag sollte es aber mit Gewalt losgehen. In dem Revier der Makuto Ranch wollten wir auf Dükker, Steinbock und natürlich auch auf Warzenschwein jagen. Gleich in den ersten 10 Minuten trafen wir 3 Überläufer auf unserer Pirsch an. Ich war so überrascht, dass ich leider erst zu spät merkte, dass ich noch gesichert hatte. Somit vernahm ich statt eines Schusses nur ein leises Klicken. Die Schweine waren natürlich weg. Dieses Missgeschick vom Vormittag hielt den ganzen Tag an. Wir bekamen zwar jede Menge Wild vor die Büchse, aber wenn es verhoffte und quer stand, war es weiblich und dann, wenn mal ein männliches Stück vor uns auftauchte, würde ich es als Flugwild bezeichnen. Den ganzen Tag mit einer Mittagspause von 3 Stunden vergebene Mühe und obwohl wir voller Hoffnung in diesen Tag gegangen waren, nicht nur weil Hubertustag war, sondern es hatte in der Nacht auch 40 mm geregnet. Bekanntlich ist dann ja alles anders und sehr viel Wild unterwegs. Nur, wie sagt man so schön: „Nicht jeder Jagdtag ist ein Fangtag“.
Am nächsten Tag hatten wir einen Ruhetag eingeplant. Es ging mit Peter in den Nationalpark, um die Big Five `s zu beobachten. Leider konnten wir nicht alle 5 Großwildarten erblicken.
Am Mittwoch, den 5. November war Ansitzjagd angesagt. Schon früh morgens um 5.00 Uhr saßen wir gemeinsam auf einem großen Hochsitz. Wir bekamen Gnus und Blessböcke zu Gesicht. Beide Wildarten waren aber für uns tabu. Nachdem wir um 9.00 Uhr ausgiebig gefrühstückt hatten, fuhren wir mit Peter nach Tabanimbi zum Einkaufen. Am Nachmittag um 16.00 Uhr war dann wieder Ansitzjagd angesagt. Diesmal gingen wir aber getrennt auf die Hochstände. Brigitte, ca. 400 Meter von mir entfernt, auf eine viel versprechende Kanzel, die dann auch die Erwartungen erfüllte. Sie bekam frühzeitig 2 Warzenschweine in den Anblick. Auf ein Warzenschwein konnte sie sich lösen, aber trotz gemeinsamer Nachsuche konnten wir weder Schweiß noch das Warzenschwein selbst finden. Der Schuss war einfach daneben gegangen. Etwas, auch für Afrika ganz normales, denn die Auflagen auf den Kanzeln sind gleich null. So ist das sichere Anstreichen bzw. Anlegen nicht möglich.

Die letzten 2 Jagdtage hatten wir noch wunderbaren Anblick, da
für uns aber beim ersten mal
Südafrika die großen Wildarten tabu waren, konnten wir die Möglichkeiten des Erlegens nur mit der Kamera nachvollziehen.
Hinter uns lag ein wunderbarer Jagd - Aufenthalt in Südafrika. Uns war klar, dass wir diese Art der Jagd auf jeden Fall wiederholen werden.

Weiberrevier-Woche auf der Makuto-RanchIm Mai starten wir die erste Weiberrevier-Tour nach Südafrika.Lassen Sie es sich eine Woche so richtig gutgehen.
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So war sie angekündigt, die Weiberrevier-Safari für Jäger und Nichtjäger. Am 20. Mai 2003 startete die erste Truppe ins Abenteuer Südafrika. Gefolgt von Trupp 2 am 26. Mai.
Schon
am Flughafen Frankfurt konnte niemand unsere Mission übersehen. Das ganze
Safari-Team im Tropen-Outfit und bestens gelaunt.
Die meisten Flüge nach SA sind Nachtflüge. So kommt man morgens einigermaßen
ausgeschlafen und ohne Jet-Leg an. Zeitverschiebung gibt es nur in den Wintermonaten
eine Stunde.

Zweieinhalb
Autostunden nördlich vom Airport Johannesburg liegt die Makuto-Ranch.
Während der Fahrt musste ich zwischen kurzen Schläfchen immer wieder
Detailfragen zum Tagesablauf eines Jägers in der Wildnis beantworten. Und
so kam es, dass unsere Begleiter nach der langen Reise, bei der Ankunft auf
der Ranch, auf einen erfrischenden Sprung in den großen Pool verzichteten,
und stattdessen darauf drängten, dass wir endlich die Waffen einschießen.
Das hatte man schon als oberste Priorität bei Jagdreisen verstanden.
Schließlich
kann die Waffe beim Transport einen Schlag abbekommen haben, der die Treffpunktlage
verändert. Dieses Risiko auszuschließen, lag unseren Nichtjägern
besonders am Herzen. Thomas, der Rancher, begleitete uns zur Schiessbahn und
nachdem wir unsere Kontrollschüsse absolviert hatten, durfte selbstverständlich
jeder ein paar Schüsse auf die Scheibe abgeben. Arno, als Inhaber einer
Sicherheitsfirma mit Waffen vertraut, legte mit 28 Ringen bei drei Schuss vor.
Nathalie, die bereits einen Weiberrevier-Schnupperschiesskurs belegt hatte,
folgte gemeinsam mit Udo mit 26 Ringen und sogar Moritz, der mit seinen 16 Lenzen
noch nie eine Waffe in der Hand hatte, schaffte es auf 24 Ringe.

„Ihr dürft nicht vergessen,“ referierte Thomas,
„dass der Schuss auf die Scheibe etwas anderes ist, als wenn der Jäger
lebendes Wild schießt.“
Allgemeines Kopfnicken und zustimmendes Gemurmel.
Nach dem Mittagessen wurde der Plan für den
Rest des Tages festgelegt.
Hier das Weiberrevier-SA-Team:
Claudia
Paul
Peter
Moritz
Arno
Thomas
Karin
Nathalie
(von links oben)
Thomas wollte gegen Abend mit den Gästen eine Erkundungsfahrt machen, während ich den Auftrag erhielt, zusammen mit Arno das Abendessen zu besorgen. Ein Impala – jung und weiblich.
Wir saßen muckmäuschenstill in einem Unterstand am Wasserloch und warteten geduldig. Für die Fleischbeschaffung ist das die effektivste Art zu jagen, denn schließlich hatten wir den verantwortungsvollen Auftrag, Lebensmittel zu besorgen. Zwei Stunden lang beobachteten wir das Treiben der verschiedensten Vogelarten bis wir plötzlich Bewegung in den nahe gelegenen Büschen sahen. Graue Schatten bewegten sich in unsere Richtung. Arnos Augen wurden groß und größer und er schaute abwechselnd mich und meine Waffe an. „Das sind Wasserböcke.“ flüsterte ich. Aber siehe da – den Wasserböcken folgte eine ganze Impalaherde.
Ich suchte mit ein junges Tier heraus und wartete, bis die Schussentfernung
stimmte. Ich erlegte das „Küchen-Impala“ mit einem sauberen
Schuss und wartete gespannt auf Arnos Reaktion. Der saß neben mir und
hielt sich immer noch die Ohren zu, das erlegte Stück fest im Auge. „Ich
dachte, du schießt noch mal. Du hast doch repetiert.“ sagte er.
Ich ermahnte ihn, leise zu sein, weil einer der Wasserböcke nicht abgesprungen
war und es vermieden werden soll, dass die Tiere den Schuss mit Menschen in
Verbindung bringen. Das Repetieren nach dem Schuss, erklärte ich ihm, mache
ich automatisch um im Notfall, sollte das Wild nicht tödlich getroffen
sein, sofort nachschießen zu können.
Wir warteten bis der Wasserbock im Busch verschwunden war und fuhren mit unserer
Beute zurück zum Camp.

Alle standen um die schwarzen Jagdhelfer herum und beobachteten, wie das Wild versorgt wurde. Keinerlei Berührungsängste waren den Nichtjägern anzumerken. Sie fanden es einleuchtend, dass man ein Tier zuerst töten muss, um es essen zu können.
Abends
am Lagerfeuer wurde berichtet, was man auf der Erkundungsfahrt auf der Ranch
gesehen hatte. Kudus, Gnus, Blessböcke und sogar Giraffen. Und das alles
am ersten Tag.
Am nächsten Tag begleitete Nathalie mich.
Für Paul war dies die erste Afrika-Jagdreise und er hatte
sich vorgenommen, auf Impala, Blessbock und Warzenschwein zu jagen. Ich selbst
wollte Raubwild bejagen und, wie seit Jahren, auf meinen Lebenskeiler warten.
Vorsorglich hatten wir den Aufbruch vom Vortag ausgebracht und wählten
einen sehr hohen Hochsitz, damit Schakale oder Buschkatzen keinen Wind von uns
bekommen sollten. Alles was wir sahen waren Warzenschweine – aber nicht
meinen Lebenskeiler. Als kurz vor Einbruch der Dunkelheit in der Nähe ein
Schuss fiel, baumten wir ab. Das konnte nur Paul gewesen sein. Und so war es
auch. Seine erste afrikanische Beute war der ersehnte Blessbock.
Ausser
verschiedenen Ausflügen nach Suncity und ins Pilanesberg Naturreservat
war auch ein paar Jagdtage mit Peet, Nolte und Teuns, den afrikanischen Berufsjägern,
vorgesehen. Der Besitzer einer nahe gelegenen Farm hatte die Jäger um Hilfe
gebeten.
Wir fuhren gegen Abend zu einer Rinderfarm mit Maisanbau und wurden von dem
Farmer und seiner Familie aufs herzlichste begrüßt. Der Farmer freute
sich besonders uns zu sehen. Er hatte bereits große Schäden in den
Feldern. Während Nolte und ich versuchten, meinen Lebenskeiler zu finden,
fuhren die anderen zu einer kleinen Drückjagd im Mais.
Als jagdliche Einrichtung dienen auf der Farm Gebilde, die einem Termitenhügel
zum Verwechseln ähnlich sehen.
In
einen solchen Hügel verkrochen Nolte ich ich uns und harrten der Dinge,
die da kommen sollten. Wir sahen hunderte von Perlhühnern. Oryxe kreuzten
den Weg und Warzenschweine ohne Ende. Allerdings keinen starken Keiler.
„Wir waren zu spät dran.“ Stellte Nolte fest. „Morgen
müssen wir früher sitzen.“
Am nächsten Tag bezogen wir um die Mittagszeit den Termitenhügel.
Aus Spaß zählten wir die Warzenschweine mit. Nach Nummer 85 entstand
eine Pause. Es war 15 Uhr, die Zeit zu der wir aufbrechen wollten. Um zwei Oryxe,
die wenige Meter von unserer Deckung entfernt ästen, nicht zu verschrecken,
beschlossen wir, noch zu warten, bis sie weggezogen waren.
Da kam Warzenschwein Nummer 86 aus dem Busch, eine starke Bache, gefolgt von
Nummer 87, einem überdimensionalen Keiler! Blitzschnell hatte ich die Waffe
im Anschlag und den Keiler im Fadenkreuz.
Er stand wie im Bilderbuch. Genau in dem Moment, wo ich schießen wollte
kam eine zweite Bache dazu und stellte sich exakt vor den Keiler, von dem nun
nur noch der Kopf zu sehen war.
Jetzt wurde Nolte nervös. Er war nicht sicher, ob ich die Bache gesehen
hatte. Wenn man nicht genau hinsah, konnte man die zwei wirklich für eins
halten.
Ich blieb ganz ruhig im Anschlag und wartete. Die Waffe wurde immer schwerer,
die Spannung stieg. Welches Schwein würde sich zuerst, wie schnell und
in welche Richtung bewegen? Diese Chance durfte ich nicht verpassen. Das würde
ich mir nie verzeihen. Und Nolte mir wahrscheinlich auch nicht.
Ich konzentrierte mich auf den Keiler bis ich das Gewicht meiner Waffe nicht
mehr spürte. Endlich zog die Bache den ersten Schritt vor. Der zweite folgte
und langsam verschwand sie nach rechts aus meinem Glas. Jetzt ist es soweit.
Der Schuss krachte, der Keiler machte eine hohe Flucht und ich geriet in Panik,
weil ich befürchtete, ihn angeschweißt zu haben. Ich repetierte in
rasanter Geschwindigkeit und bevor ich die Waffe wieder an der Schulter hatte
war Stille.
Da lag er. Nach einer kurzen Flucht von zwanzig Metern. Sauber getroffen.
Nolte
hüpfte aus unserem Versteck.
Ich folgte ihm langsam und bedächtig zu dem Keiler und versuchte jeden
Augenblick dieses Abenteuers zu speichern. Ich wusste, dass ich von diesem Erlebnis
den Rest meines Jägerlebens zehren würde.
Eilig wurde der Farmer informiert und kurze Zeit später stand eine handvoll
Männer andächtig um den Warzenkeiler herum.
Ausser Jagen stand natürlich auch Faulenzen
auf dem Reiseprogramm.
Moritz vertrieb sich die Zeit beim Angeln. Er hat in Deutschland schonmal Jäger
begleitet aber ihn beeindruckten die großen Tiere Afrikas. Besonders die
Elefantenherden im Pilanesberg Naturreservat. Aber auch die großen Wasserböcke
auf der Farm gefielen ihm gut.
Nicht zu vergessen, daß man auf eingezäuntem Privatgelände sogar
Auto fahren darf.
Aber das Allerbeste: Mit einer afrikanischen Jagdlizenz, die man auch ohne Jagdschein
bei den Provinzen erwerben kann, darf man sogar mit sechzehn jagen.
Von dieser Regelung hat Moritz eine Woche später in der Kalahari Gebrauch
gemacht und seine ersten Sandgrouse erbeutet. Zurück in Deutschland möchte
er so schnell wie möglich die Jugend-Jägerprüfung ablegen und
einen Jagdhund führen.
Nathalie und Arno tummelten sich am Pool.
Obwohl im Mai in Südafrika Winter ist und die Nachttemperaturen schonmal
bis zum Gefrierpunkt sinken können, wärmt sich die Erde am Morgen
schnell auf und um zehn Uhr sind es schon wieder 25 Grad Celsius.
Während
Arno bereits am ersten Tag seine Leidenschaft für die Jagd entdeckt hat
und keine Gelegenheit ausliess, die Jäger zu begleiten, beschäftigte
sich Nathalie auch ganz gerne mit den Farmtieren.
Enten füttern, Schweine versorgen und mit dem Pferd ein bisschen ausreiten hat schliesslich auch was. Die Jägerprüfung möchte sie nächstes Jahr in Angriff nehmen.
Paul hielt Smalltalk. Er hatte sich bereits im
Vorfeld über das Land, die Leute und das Wild informiert. 
Als diplom Agrar-Ingenieur hatte er natürlich mit dem Rancher viel zu besprechen.
Paul ist begeistert von der Artenvielfalt in Südafrika. "Als Jäger
braucht man keine Angst zu haben, negativ in den Bestand einzugreifen."
sagt er. Das Wild ist überwiegend tagaktiv, was die Jagd erleichtert.
Im Gegensatz zu Deutschland ist die Eigenverantwortung der Jäger bei der
Wildbewirtschaftung bedeutend höher. Für den Auslandsjäger ist
Plains Game eine erschwingliche Sache. Hier wird die Trophäe nicht nach
Gramm und Millimeter bewertet. Eine Trophäe ist eine Trophäe. Bei
seinen Jagdreisen legt Paul großen Wert auf Empfehlungen seiner Freunde.
So bleiben böse Überraschungen erspart.
Ich vertrieb mir die Zeit auf Beobachtungsposten.
Die südafrikanischen Berufsjäger sind
sehr vielfältig.
So
organisierten sie für uns ein Abendessen bei dem sie ein Nationalgericht
am offenen Lagerfeuer zubereiteten.
Wir haben gut gegessen und getrunken und viel Gelacht. Die Ranch hat drei große
Feuerplätze. Einer davon auf dem Turm am Pool. Die Abende verbingt man
dort in gemeinsamer Runde.
Die Jagdtage sind sehr früh zu Ende, denn um 19 Uhr ist es bereits dunkel.
Dafür sind die Nächte manchmal umso länger.
Einer der Höhepunkte dieses Abends war der
Huttausch von Paul und Thomas. Schon immer hatte sich Thomas so einen Hut gewünscht,
wie ihn Paul seit vierzehn Jahren auf der Jagd trägt. Er hat ihn zur Gebirgsjagd
und im eigenen Revier begleitet.
Paul
beschließt, sich von dem guten Stück zu trennen.
In
einem feierlichen Akt erfolgt die Übergabe.
Thomas
bedankt sich artig...
...und
schenkt Paul seine Makuto-Cap.
Die
"Hutfreundschaft" wird noch einmal besiegelt.

Sehen
sie nicht gut aus?
Die zwei Wochen auf der Ranch waren schnell vorbei.
Wir hatten unvergessliche Jagderlebnisse und konnten viele neue Eindrücke
sammeln.
Im nächsten Jahr werden wir weitere Jagdreisen für Nichtjäger
organisieren.
Hier noch ein paar Fotos von unserer Safari:
Die Sicht aus der Frontscheibe auf einer Staubstrasse bei Gegenverkehr
Hartebeest
Ein
märchenhafter Sonnenuntergang.
Krokodil
Die
Vegetation im Mai.
Nashörner
Auch
das ist Afrika.
Perlhühner
Traumhafte
Benzinpreise.
In
der Dämmerung.
Phyton
Ein
Wasserloch auf der Ranch.
Schildkröte
Jagdhelfer
Warzenschwein
Suncity
Streifengnu
Wasserbock
Zebraherde
Giraffe
Wonder Warthog
(Claudia Diewald)
Zugegeben, ich lebe mittlerweile in so einer Art Schweinewahn. Nicht etwa, weil so viele auf meiner Streckenliste stehen, sondern im Gegenteil - weil ich einfach kein Glück bei der Jagd auf Wildschweine habe. Und wenn doch, dann meist unter den spektakulärsten Umständen. Seit ich jage, und das sind sieben Jahre, habe ich es jedenfalls nicht geschafft, ein deutsches Wildschwein zu erlegen.
Angefangen hat es eigentlich schon in meiner Ausbildungszeit.
Nächtliche Ansitze mit meinem Prinzen gehörten solange zum Pflichtprogramm,
bis er eines Tages zu dem Schluss kam, dass es ein Fluch sein muss. Seit ich
mit von der Partie war, hatte er selbst kein Schwarzwild mehr in Anblick gehabt.
Er, dem sie sonst förmlich nachliefen.
Sooft wir auch ansaßen – Schweine waren weder zu sehen noch zu hören.
Zum Test, und insgeheim um die Bestätigung dafür zu finden, dass es nicht an mir lag, vereinbarten wir einen Deal. Zum nächsten Ansitz bei Vollmond nahm er einen anderen Azubi mit. Und prompt passierte es: eine Rotte Schwarzkittel wechselte an und er streckte einen Überläufer.
Von da an nahm er mich auf Sauen nicht mehr mit.
Egal wo ich auf der Treibjagd stehe, die Sauen wechseln woanders.
Mich muss man nur in die Nähe eines Maisfeldes schicken, dann ist der Bauer
vor Wildschaden sicher.
Wie viele Versuche ich bis heute unternommen habe, kann ich nicht sagen. Ich
sehe nur ab und zu mal wieder sehnsüchtig in die alten Lehrbücher,
um nicht zu vergessen, wie ein Wildschwein überhaupt aussieht.
Nach meiner Jägerprüfung habe ich ein Jahr in Luxemburg
gejagt. Dort herrscht totales Nachtjagdverbot. Wie man sieht, sind unsere Nachbarn
durchaus in der Lage, ihren Schwarzwildabschuss auch im Tageslicht zu erfüllen.
Da dachte ich, muss selbst ich eine Chance haben. Sooft es meine Zeit zuließ,
verbrachte ich meine Abende bis zum Sonnenuntergang im Revier. Das veranlasste
meine Luxemburger Jagdkollegen zu allerhand Sticheleien und Sprüchen wie
„Ich weiß gar nicht, wieso du stundenlang auf dem Hochsitz rum sitzt.
Du musst doch nur da sein wenn sie kommen….“ Danke für den
guten Tipp!
Das luxemburgische Jagdjahr beginnt im August und es neigte sich bereits dem
Ende zu, ohne dass ich ein Stück Schwarzwild gesehen hatte, während
die anderen Jäger sich einen Spaß daraus machten, mir noch nur die
Angaben über Uhrzeit und Gewicht ihrer Beute per SMS zu schicken.
Zu keiner Sekunde habe ich daran gedacht aufzugeben. Mit reichlich
Lektüre für lange Aufenthalte im Revier ausgestattet, bezog ich meinen
Hochsitz. Im Laufe der Zeit hatte ich mir zur Gewohnheit gemacht, beim Umblättern
kurz die Gegend zu überblicken, um selbstverständlich festzustellen,
dass dies eine schweinefreie Zone ist. So auch zwischen Seite 155 und 166 von
Patrick Süskinds „Das Parfum“, als der Mörder Grenouille
sich gerade auf der Flucht in einer Höhle häuslich einrichtete.
Zur Seite 166 kam ich nicht mehr:
Schweine! Zwei Stück!
Wer hat mir eigentlich erzählt, dass man Wildschweine meilenweit kommen
hört? Mucksmäuschenstill waren sie angewechselt und nun standen sie
da und steckten den Wurf in den Waldboden.
Schnell ein Blick durchs Fernglas, um zu schätzen, ob eins in die freigegebene
Gewichtsklasse bis 40 kg passt. Hm, beide gleichgroß. Aber wie schwer?
Ich war ja nun wirklich wildschweinunerfahren und versuchte die Schweine auf
Großer-Münsterländer-Größe umzurechnen. Mein Hund
wiegt 35 Kilo. Die Schweine sind nicht ganz so hoch, dafür aber viel massiger,
gedrungener.
Je länger ich sie beobachtete, desto mehr kam ich zu der Überzeugung,
dass eines der Schweine den rechten Vorderlauf schonte. Quatsch – das
sind Halluzinationen, die dir einen Hegeabschuss suggerieren wollen, wies ich
mich zurecht. Nix da!
Weniger oder mehr als 40 Kilo? Es könnte sich gerade so drum drehen.
Ich kam zu keinem sicheren Ergebnis und wagte den Schuss nicht. Die Gefahr,
eines Schonzeitvergehens war mir zu groß – und die Sauen weg.
Genau eine Woche später besetzte ich zusammen mit einem
Jagdfreund, einem erfahrenen Schwarzwildjäger, den gleichen Sitz. Anstatt
Lektüre gab’s Erdbeeren. Irgendwie muss man sich ja die Zeit vertreiben
und wer weiß wie oft wir hier noch hin müssen, bevor die Sauen wieder
kommen. Wolfgang sollte nur fachmännisch das Gewicht schätzen, denn
zwischenzeitlich war auch Schwarzwild über 40 Kilo freigegeben.
Ich knabberte versonnen an der vorletzten Erdbeere und überlegte, ob wir
nächstes Mal ein paar Kirschen mitnehmen sollten, als der Hochsitz plötzlich
zu vibrieren anfing. Ich sah Wolfgang an und merkte, dass er zitterte und vor
Aufregung kaum flüstern konnte. „Da…“ war alles was er
raus bekam und zeigte auf die Kirrung.
Tatsächlich – da waren sie wieder! Die Beiden von letzter Woche.
Wolfgang im Schweinefieber versuchte ruhig zu atmen, schaffte es aber komischerweise
nicht, mich nervös zu machen. Woher ich diese Ruhe nahm, weiß ich
nicht. Vielleicht äußert sich wilde Entschlossenheit ja manchmal
in Seelenruhe.
Ich machte mich fertig und schoss im richtigen Moment, repetierte, schaute durchs
Zielfernrohr und sah – nichts! Kein Schwein weit und breit. „Du
hast getroffen. Ich hab’s gesehen.“ bestätigte Wolfgang. „Na
fein, und wo ist das Schwein dann bitte?“ Ich war nah an der Verzweiflung.
Jetzt hielt ich mich auch nicht mehr an die „Zigarettenlänge danach“,
die in allen Lehrbüchern beschrieben ist. Ich hetzte vom Hochsitz und raste
in Richtung des Anschusses.
Und da lag es. Mein erstes Wildschwein. Mausetot!
Es lag in einer kleinen Bodenkuhle und konnte deshalb vom Hochsitz nicht gesehen
werden. „Waidmannsheil!“ sagte Wolfgang und lachte amüsiert
„Das hat höchstens 25 Kilo.“
Die echte Blamage kam erst beim Nachwiegen. In Wirklichkeit waren es genau 22
Kilo.
Mit einem hatte ich allerdings Recht: die Schalen des rechten Vorderlaufes waren
verkrüppelt. Es hatte den Lauf also tatsächlich geschont.
Meine Heldentat wurde natürlich nur auf diese Tatsache zurückgeführt.
„Wäre es nicht Laufkrank gewesen, hättest du es sowieso nicht
erwischt…“ und ähnliche Sprüche. Bei einem solchen Jagdglück
ist man natürlich nicht empfindlich und sieht großzügig über
die Belustigungen der Jagdkollegen weg.
Zu erzählen, dass ich die Verletzung schon vorher bemerkt hatte, verkniff
ich mir allerdings.
Danach folgten wieder karge Jahre ohne Wildschweine.
Meinen nächsten Erfolg der wildschweinischen Art durfte
ich erst wieder in Namibia erleben. Nachdem ich Steinböckchen, Kudu und
Oryx zur Strecke gebracht hatte, drehten sich meine Gedanken um die Erlegung
eines Warzenschweins. Ich wäre ja schon mit einer kleinen Trophäe
zufrieden. Hauptsache Schwein.
Was bei anderen Jägern kein Problem ist, stellte sich bei mir wieder als
Sondermission heraus. Natürlich wollte der Berufsjäger mich gerne
auf ein Warzenschwein führen, aber wir legten kilometerweite Strecken im
Busch zurück und sahen sie bestenfalls mal in weiter Ferne von einer Dickung
in die andere wechseln.
Am letzten Tag mobilisierte ich meine letzten körperlichen Pirschreserven
und startete den letzten Versuch auf das ersehnte Schwein.
Auch der Berufsjäger machte einen besonders entschlossenen Eindruck. Wir
rannten kreuz und quer durch die Savanne. Alle bekannten Wildschweinaufenthalte
waren wie leergefegt und schließlich gaben wir Stunden später, schweigend
und leicht deprimiert, unser Vorhaben auf. Auf der Rückfahrt zum Camp sahen
wir in der Ferne noch ein Warzenschwein, das eilig eine andere Richtung einschlug,
als es den Wagen hörte.
„Finale!“ beschloss der Berufsjäger zwei Sekunden später
und stieg voll in die Bremsen. „Raus aus dem Auto und dicht hinter mir
her!“
In tief gebückter Haltung schlichen wir los. „Es steht da drüben
unter den Ana-Bäumen. Wir müssen die Richtung wechseln um ihm nicht
in den Wind zu laufen.“ flüsterte er. Als er sagte „Schnell,
es ist auf dem Weg zu seinem Erdloch.“ waren wir bis auf Dreißig
Meter herangepirscht. Mit einem Strauch als Stütze erlegte ich die uralte
Bache im allerletzten Büchsenlicht.
Bei meiner ersten Reise nach Südafrika stellte mich die
Schweinejagd wieder vor vollkommen neue Aufgaben.
Thamazimbi ist das Gebiet mit dem höchsten Warzenschweinbestand und den
stärksten Trophäen. Auf einem Areal von 150 Quadratkilometer schätzt
man Hunderttausend Tiere.
Als mein Jagdkollege bereits am ersten Jagdtag mit einem Warzenkeiler ins Camp
zurückkehrte war mir klar: das kann hier nicht so schwer sein. Also zog
ich los in der Hoffnung auf fette Beute. So zog ich vier Tage durch den Busch
– mal wieder ergebnislos. Am fünften Tag wollte der Berufsjäger
es wissen. Nolte Roets jagt seit 1989 mit deutschen Jagdgästen und gilt
als einer der erfahrensten Warzenschweinjäger der Gegend. Seine Erfolgsquote
liegt bei durchschnittlich 250 Warzenschweinen im Jahr. Die Ansitzjagd, sagt
er, gibt es in Südafrika erst, seit dort Deutsche jagen.
Wir fuhren mit dem Jagdwagen zu einer Wegkreuzung im Busch und warteten. Wolfgang
begleitete uns. „Hier müssen sie kommen!“ war Noltes Überzeugung.
Wolfgang stimmte kopfnickend zu.
Sie kamen auch. Allerdings in über 200 Meter Entfernung und in rasanter
Geschwindigkeit. Immer zwei zusammen. Von rechts nach links über den Weg
in zwei Sekunden.
„Das hat so keinen Zweck. Du musst näher ran.“ ordnete Nolte
an. Also kletterte ich vom Wagen und bewegte mich vorsichtig in Richtung des
Wechsels. Nach gut der Hälfte der Strecke blieb ich stehen, um mich zu
orientierten. Da sah ich genau vor mir in fünfzig Meter Entfernung zwei
Keiler, ganz ins Äsen versunken.
Ich ließ mich schnell aber geräuschlos flach auf den Boden fallen,
um nicht bemerkt zu werden. Nun galt es, eine einigermaßen brauchbare
Auflage für die Waffe zu finden, was in der Savanne mit ganz niedrigem
Sträucherbewuchs nicht so einfach ist. Einzig brauchbar erschien mir ein
Busch, der etwa zehn Meter links von mir stand. Ich robbte in Zeitlupe durch
den dornendgespickten Sand bis ich den Strauch endlich erreichte. Die Schrammen
an Armen und Beinen spürte ich nicht. Vorsichtig richtete ich halb auf
und schob die Waffe durch das Geäst.
Die Warzenschweine waren noch da.
Als ich versuchte, durchs Zielfernrohr zu sehen, bemerkte ich, dass die Waffe
so fest in dem Strauch steckte, dass ich sie gar nicht mehr bewegen konnte.
In dieser Haltung hätte ich warten müssen, bis mir ein Warzenschwein
genau durchs Fadenkreuz läuft….
Also noch mal von vorne. Waffe vorsichtig aus dem Busch ziehen – und knacks.
Ein Ästchen brach – die Warzenschweine sahen genau in meine Richtung.
Jetzt oder nie – in drei Sekunden sind sie weg!
Ich stellte mich kerzengerade hin und schoss das erste Mal in meinem Jägerleben
stehend freihändig. Durch das Zielfernrohr beobachtete ich wie der Keiler
zeichnete und konnte nicht sofort die Trefferlage bestimmen. Während ich
also im Anschlag blieb, um notfalls nachzuschießen, sah ich im Augenwinkel
eine Bewegung. Der zweite Warzenkeiler stand immer noch da mit aufgerichtetem
Pürzel, die Rückenborsten hochgestellt und schnaubend.
Was nun? Ich war alleine im afrikanischen Busch, Auge in Auge mit einem wütenden
Warzenkeiler!
Von Nolte und Wolfgang sah und hörte ich nichts und so entschied ich, in
Notwehr den zweiten Keiler auch noch zu erlegen.
Auf der Ranch nennen sie mich seitdem „Double-Held“.
In eine ähnliche Situation bin ich noch einmal geraten. Diesmal wartete ich aber die Reaktion des zweiten Keilers ab, der dann vorzog, das Weite zu suchen.
Danach versprach Nolte mir, das nächste Mal einen „richtigen Keiler“ zu jagen. Alle meine Keilerwaffen waren unter 20 cm Länge. Wie im richtigen Leben ist auch bei der Jagd vieles Ansichtssache. Was ich mir mit Freuden an die Wand hänge, würde bei anderen schnell in der Schublade verschwinden – aber auch umgekehrt.
Im Sommer sollte es soweit sein. Die beste Zeit für starke
Warzenkeiler ist Juni bis September. Dann ist in Südafrika Winter, die
Büsche sind nur schwach belaubt und gewähren bessere Sicht für
den Jäger.
Keiler mit Waffenlänge über 30 Zentimeter fallen selbst in dieser
Gegend nur drei pro Jahr, erklärte Nolte. Im Alter von zwölf Jahren
und mehr sind sie durch die Trockenperioden, die alle 5-6 Jahre wiederkehren,
stark gefährdet.
Für Trophäen von 25 cm und mehr, braucht der Jäger etwa 10-12
Tage Zeit, um zum Erfolg zu kommen. Alles Fakten, über die ich mir nie
den Kopf zerbrochen habe. War ich doch überglücklich überhaupt
mal ein Schwein zu erbeuten.
Man klärte mich weiter darüber auf, dass die beste
Trefferlage der Schulterknochen ist. Außerdem ist ein starkes Kaliber
erforderlich. Die Berufsjäger machen auf Warzenschweine keine Nachsuche
mit Hunden, weil diese zu häufig geschlagen werden.
Diese starken Keiler kann man auch kaum auf der Pirsch erlegen. Sie sind zu
heimlich, als dass man ihnen dort begegnet. Es gibt Warzenkeiler, die seit Jahren
bekannt sind, die aber nur selten gesehen werden und hinter denen jeder her
ist.
Die Farmer, verkaufen Einzelabschüsse auf ihren Farmen bevorzugt an Nolte,
weil sie wissen, dass er gute Preise zahlt. Er ist er der erste, der erfährt,
wenn irgendwo ein Monsterkeiler gesichtet wurde.
Wir fuhren gegen Abend zu einer Rinderfarm mit Maisanbau und
wurden von dem Farmer und seiner Familie aufs herzliche begrüßt.
Der Farmer freute sich besonders uns zu sehen. Er hatte bereits große
Schäden in den Feldern. Als jagdliche Einrichtung dienen dort Gebilde,
die einem Termitenhügel zum Verwechseln ähnlich sehen. In einen solchen
Hügel verkrochen wir uns und harrten der Dinge, die da kommen sollten.
Wir sahen hunderte von Perlhühnern. Oryxe kreuzten den Weg und Warzenschweine
ohne Ende. Allerdings keinen starken Keiler.
„Wir waren zu spät dran.“ Stellte Nolte fest. „Morgen
müssen wir früher sitzen.“
Am nächsten Tag bezogen wir um die Mittagszeit den Termitenhügel.
Aus Spaß zählten wir die Warzenschweine mit. Nach Nummer 85 entstand
eine Pause. Es war 15 Uhr, die Zeit zu der wir aufbrechen wollten. Um zwei Oryxe,
die wenige Meter von unserer Deckung entfernt ästen, nicht zu verschrecken,
beschlossen wir, noch zu warten, bis sie weggezogen waren.
Da kam Warzenschwein Nummer 86 aus dem Busch, eine starke Bache, gefolgt von
Nummer 87, einem überdimensionalen Keiler! Nolte flüsterte nur „Keiler!
Keiler! Schießen!“
Blitzschnell hatte ich die Waffe im Anschlag und den Keiler im Fadenkreuz.
Er stand wie im Bilderbuch.
Ich peilte exakt das Schulterblatt an um bloß keinen Fehler zu machen.
Genau in dem Moment, wo ich schießen wollte kam eine zweite
Bache dazu und stellte sich exakt vor den Keiler, von dem nun nur noch der Kopf
zu sehen war.
Jetzt wurde Nolte nervös. Er war nicht sicher, ob ich die Bache gesehen
hatte. Wenn man nicht genau hinsah, konnte man die zwei wirklich für eins
halten.
Ich blieb ganz ruhig im Anschlag und wartete. Die Waffe wurde immer schwerer,
die Spannung stieg. Welches Schwein würde sich zuerst, wie schnell und
in welche Richtung bewegen? Diese Chance durfte ich nicht verpassen. Das würde
ich mir nie verzeihen. Und Nolte mir wahrscheinlich auch nicht.
Ich konzentrierte mich auf den Keiler bis ich das Gewicht meiner Waffe nicht
mehr spürte. Endlich zog die Bache den ersten Schritt vor. Der zweite folgte
und langsam verschwand sie nach rechts aus meinem Glas. Jetzt ist es soweit.
Der Schuss krachte, der Keiler machte eine hohe Flucht und ich geriet in Panik,
weil ich befürchtete, ihn angeschweißt zu haben. Ich repetierte in
rasanter Geschwindigkeit und bevor ich die Waffe wieder an der Schulter hatte
war Stille.
Da lag er. Nach einer kurzen Flucht von zwanzig Metern. Sauber getroffen.
„Du hast ihn! Du hast ihn!“ jubelte Nolte und hüpfte
aus unserem Versteck.
Ich folgte ihm langsam und bedächtig zu dem Keiler und versuchte jeden
Augenblick dieses Abenteuers zu speichern. Ich wusste, dass ich von diesem Erlebnis
den Rest meines Jägerlebens zehren würde.
Eilig wurde der Farmer informiert und kurze Zeit später stand eine handvoll
Männer andächtig um den Warzenkeiler herum.
Es ist eine außergewöhnliche Trophäe.
Mit einer Waffenlänge von 37 cm war ich nicht nur „Talk of the town“
in Thabazimbi, sondern ich bleibe auf ewig die Jägerin des sagenumwobenen
„Wonder Warthog“.
Ja, bin ich denn in einem Afrika-Film?...
Dreharbeiten für den Jagd-Dokumentarfilm in Südafrika
Von Klaudia Berger
Am 10. Februar ging es los, ich flog mit Claudia und dem Filmteam von Dietmar Noss zur Makuto-Ranch nach Südafrika. Nach vielen clubinternen Tipps, was als Gepäck mitsollte, war der Koffer gepackt und meine Waffe (R93 Linkshand, Kal. 30.06) auseinandergebaut und in ihrer Transport-Box verstaut. Um 15.30 ging der Zug nach Frankfurt ab Duisburg-Hauptbahnhof und gegen 20.30 der Flieger nach SA. Ich war schon ganz aufgeregt, denn ich war noch nie in Afrika gewesen.
Die meisten Flüge in den Süden Afrikas sind nachts.
Vorteil: Es geht kein Reisetag verloren. Nachteil: Viel schläft man nicht.
Gottseidank gibt es keine Zeitverschiebung, somit kein Jet-Lag. Dadurch verkraftet
man den Nachtflug sehr schnell. Dementsprechend übernächtigt kamen
Claudia und ich so gegen 6.30 Uhr in Johannesburg an. Mit der Waffeneinfuhr
gab es keinerlei Probleme, das Flughafenpersonal ist damit vertraut. Claudia
hatte ihre neue Sauer Take-Down im Kaliber .375 H&H dabei.
Nun mussten wir auf Dietmar Noss und seinen Kameramann Klaus warten, sie kamen
eine Stunde später an. Großes Malheur: Dietmars Koffer war weg! Während
er die Sache reklamieren ging, tranken wir erst einmal eine Tasse Kaffee im
Restaurant und warteten noch auf zwei Kameraleute aus Südafrika, die mit
uns zur Farm fahren sollten.
Als die beiden mit zwei Transportern voller Film-Equipment eingetroffen waren,
gings los. Die Fahrtzeit zur Farm dauert normalerweise drei Stunden, es wurde
allerdings in Warmwaters ein Zwischenstopp gemacht, damit Dietmar sich etwas
zum Anziehen besorgen konnte. Während der Fahrt fiel mir auf, dass das
Land doch sehr gut erschlossen ist. Die Straßen asphaltiert, überall
Felder mit Gemüse, Getreide und Rinderweiden. Einzig auf dem Land der Jagd-
und Safarifarmen, die man an den Schildern an der Straße erkennen konnte,
war die Natur noch ursprünglich. Das einzige Stück Schotterpiste war
auf den restlichen paar Kilometern Weg bis zum Ziel.
Nachmittags trafen wir endlich auf der Makuto-Ranch ein und wurden von Peter,
dem Verwalter und Claudia, der Nichte des Farmhelfers, der ebenfalls Peter hieß,
herzlich begrüßt. Oje, drei Claudias und zwei Peters!!!! Ob das kein
Durcheinander gibt? Der eigendliche Besitzer der Farm, Thomas, sollte erst zwei
Tage später aus Deutschland eintreffen.
Nach einem Begrüßungstrunk wurden wir einquartiert. Das Gästehaus
der Farm ist im afrikanischen Stil gebaut, mit schönen Zimmern mit Bad,
ein Aufenthaltsraum plus Bar und eine Küche mit großen Kühlschränken.
Etwas zu trinken, wie z.B. Eistee, stand dort immer bereit und man konnte sich,
ohne zu fragen, selbst bedienen.
Ich wäre am liebsten schon zur Jagd gegangen, aber erst einmal war eine
Rundfahrt auf dem Farmgelände vorgesehen, um die Gegend kennenzulernen.
Der deutsche Kameramann, Klaus, wollte Stimmungsaufnahmen für den Film
machen. Also gut, Fotoapparat geschnappt, Fotosafari ist ja genauso schön,
und mitgefahren. So bekam ich einen ersten Eindruck von der Landschaft und sah
schon sehr viele Tiere: Impalas, Blessböcke, Gnus, Zebras, Strauße
und sogar Giraffen. Der Wildreichtum auf kleinem Raum war beeindruckend. „Naja,
dann wird es wohl nicht so schwer sein, irgendetwas zu schießen,“
dachte ich still bei mir und ließ erstmal alles gelassen auf mich zukommen.
Das war auch besser so. Denn am nächsten Tag waren Dreharbeiten für
den Film angesagt. In aller Herrgottsfrühe wurde aufgestanden und mit Nolte,
dem Berufsjäger, ging es zu einer Nachbarfarm, Jagdszenen filmen. Auf der
Farm angekommen, meinte man, man wäre in der Serengeti. Riesige Freiflächen
mit großen Herden von Gnus, Zebras, diversen Antilopenarten und sogar
riesigen Elands. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus und habe erst einmal mit
dem Fernglas Tiere angeschaut. Dann wurde den ganzen Vormittag mit Nolte Pirschjagd
nachgestellt und gefilmt. Da es kein Frühstück gegeben hatte, bekamen
alle bald Hunger, bis auf Claudia, die morgens nie etwas aß. Bald wurden
Geschmacksfäden gesponnen, Didi und Klaus schwärmten über regionale
Saarländer Spezialitäten und ich wollte Pancakes mit Ahornsirup, wie
in Kanada. Claudia genervt: „Könnt Ihr nicht mal das Thema wechseln?“
Ich glaube, sie denkt heute noch daran.
Nach einem Mittagsimbiss (endlich gib’s was zu essen...) sollten die Waffen
kontrollgeschossen, danach Dreharbeiten „Begrüßung“ und
„Nach der Jagd“. Also das Gewehrle und Muni geschnappt und ab zum
farmeigenen Anschießstand. Dort waren das Filmteam, Nolte, der Berufsjäger
und Claudia schon zugange. Claudia hatte sich für Ihre .375 H&H eine
neue Sorte Munition gekauft, ihre Waffe war aber dafür noch nicht eingeschossen.
Der erste Kontrollschuss war Fleck. Dann schoss der Berufsjäger, auch Fleck.
Ich wollte natürlich auch mit Claudias neuer Waffe schießen. Mit
dem selben Ergebnis: Fleckschuss auf hundert Meter. Ich war
überrascht,
wie angenehm sich die Waffe in dem nicht gerade kleinen Kaliber verhielt. Somit
stand fest: Die Munition konnte für die Jagd verwendet werden, sogar ohne
Verstellen am Zielfernrohr. Meine eigene Waffe kontrollierte ich natürlich
auch. Drei Zentimeter Hochschuss wie eingeschossen, passt, es kann losgehen.
Die Dreharbeiten gingen weiter: Begrüßung. Wir sollten dieselben
Sachen anziehen, mit denen wir angereist sind. Also raus aus den Jagdklamotten
und wieder Jeans und T-Shirt angezogen. Derweil hatte das Filmteam im Wohnraum
ein Wahnsinns-Equipment mit Scheinwerfern, Folien und vieles mehr aufgebaut.
Auch vor dem Eingang war ein Kameramann. Wir sollten mit dem Auto nochmal ankommen
und aussteigen, Peter der Verwalter und Claudia III machten auf Begrüßungskomitee.
Anschließend sollte im Wohnraum der Begrüßungsumtrunk nachgestellt
werden. Gesagt, getan, ins Auto geklettert, es war der Jagdwagen und wir saßen
recht dekorativ hinten auf dem Bänkchen des offenen Pritschengeländewagens
(ein Toyota-Pick-up, wem‘s interessiert). Wieder auf’s Farmgelände
zurückgefahren, heruntergeklettert, und mit viel Hallo, Umarmungen und
Küsschen die Begrüßung simuliert. „Das hätten wir
gerne noch einmal......“ Somit wurde die Begrüßungsszene samt
anschließendem Umtrunk mindestens jeweils dreimal gefilmt. Danach wurden
„Aprés-Jagd“-Szenen am Pool gedreht und wir Mädels schwammen
ein paar Runden im kühlen Nass. Zwischendurch gaben wir noch Interviews.
Abends gab es ein Festessen mit Spanferkel, welches im Film das Abschiedsfest
sein soll. Der erste und meiner Meinung nach anstrengenste Tag war vorbei.
Am nächsten Tag sollte es endlich mit der Jagd losgehen. Jedoch machten
uns erst einmal die afrikanischen Wettergeister einen Strich durch die Rechnung
und schickten uns den ganzen Vormittag Dauerregen. Kurz entschlossen fuhren
alle nach Thabazimbi frühstücken und anschließend bummeln und
Souvenirs kaufen.
Mittags gabs noch ein „Ungeduldig-Interview“ mit Claudia, die vor
laufender Kamera erklärte, das das Wetter schlecht sei und wie wibbelig
wir doch wären, weil wir endlich jagen gehen wollten. Ich schmunzelte nur
in mich hinein, denn meiner Meinung nach ist noch genug Zeit dafür. Und
ich sollte Recht behalten.
Zum Nachmittag war die Feuchtigkeit im Busch weggetrocknet. Claudia und ich,
Nolte, der Berufsjäger und das gesamte Filmteam (fünf Mann) stiegen
in das Jagdauto; wir Jägerinnen plus Kamera- und Tonmann hinten auf der
Pritsche, der Rest vorne beim Fahrer. Claudia wollte ein Gnu schießen
und ich ein Impala.
Zuerst eine kurze Erklärung, wie auf der Farm gejagt wird: Auf Grund des
riesigen Geländes fährt man mit dem Geländewagen herum, bis man
das Passende in Anblick hat. Dann geht’s vom Auto herunter und nach kurzer
Pirsch kommt man zum Schuss oder nicht. Es wird auch oft an den Wasserlöchern
angesessen, aber nun war Regenzeit, das Wild findet überall Wasser, somit
fiel das weg.
Nach kurzer Fahrt sahen wir die ersten Impalas. Somit stieg ich mit Nolte plus
Kamera- und Tonmann sowie Dietmar, der auch unbedingt dabeisein wollte, aus.
Wie man es sich schon denken konnte, war die Impalaherde sofort über alle
Berge. Fünf Leute im Busch, das hält das geduldigste Wildtier nicht
aus. Nur Claudias Gnu stand wannenbreit auf ca. 60 Meter....das ist Jagd. Schnell
zurück zum Auto, denn Claudia sollte hinter dem Gnu her. Wieder alle Mann
in den Busch, mit demselben Resultat. Das wiederholte sich an diesem Nachmittag
noch mehrmals, sodass abends beschlossen wurde, das die Jägerinnen mit
jeweils einem Kameramann getrennt losziehen sollten. Währenddessen war
auch Thomas, der Eigentümer der Farm, eingetroffen, der mein Jagdführer
werden sollte.
Am nächsten Morgen ging es also getrennt los, Claudia, Nolte, Dietmar sowie
ein Kamera- und Tonmann. Denn von Claudia als Hauptdarstellerin sollten besonders
gute Aufnahmen gemacht werden. Ich und Thomas hatten nur einen Kameramann dabei.
Jedoch verlief die Morgenpirsch für beide Seiten erfolglos.
Zwischenzeitlich war auch Dietmas Koffer wieder eingetroffen, nachdem er eine
Reise nach Frankfurt und dann wieder zurück nach Südafrika gemacht
hatte!
Nachmittags wollte Dietmar unbedingt mit mir mit. Eine gute Wahl, denn ich konnte
auf ca. 200 Meter Entfernung eine uralte Blessbock-Kuh erlegen. Thomas hatte
schnell umdisponiert, damit die Filmleute endlich zu ihrem Abschussfilm kamen.
Die Kuh blieb nach kurzer Totflucht in Sichtweite liegen. Alles haben sie gefilmt,
den Schuss, das Bergen mit Erlegerfoto, hinterher wurde ich noch gefragt, wie
ich mich fühlen würde. Ob ich aufgeregt gewesen wäre. Ein bisschen
schon, denn es war ja mein erstes Afrika-Tier! Beim abendlichen Essen am Lagerfeuer
wurde der Abschuss natürlich gehörig begossen. Am nächsten Morgen
gelang es mir dann auch noch das Impala zu erlegen, was auch gefilmt worden
ist. Claudia blieb erfolglos. Der Grund war meiner Meinung nach die ganze Filmkorona,
die immer hinter ihr herlief. Es kann auch ein Vorteil sein, wenn man kein Hauptdarsteller,
sondern nur Nebendarsteller ist!
Am Nachmittag verabschiedeten sich Dietmar und die südafrikanischen Kameraleute,
denn sie hatten Aufträge für Werbefilme in Kapstadt zu erledigen.
Nur Klaus, der deutsche Kameramann blieb, um Claudias Gnuabschuss zu filmen.
Nun stellte sich die Frage, ob ich noch etwas schießen sollte. Ich hätte
ja gerne noch ein Warzenschwein erlegt, aber Thomas meinte, das wäre zu
dieser Jahreszeit sehr schwer. Erstens sind die doch recht kleinen Schweine
im jetzt hohen Gras kaum auszumachen und zweitens kommen sie auch nicht zu den
Wasserlöchern, denn in der Regenzeit sind im Busch überall Pfützen.
„Schieß doch etwas Großes, ein Gnu oder ein Kudu,“ schlug
Thomas vor, denn er war mit mir als Jägerin sehr zufrieden. So ging es
nochmal los und auch Claudia startete mit Klaus und dem Berufsjäger einen
weiteren Versuch. Ich hatte wieder Erfolg, ich schoss einen riesengroßen
Kudubullen. Abends war die Freude groß und alles wurde noch einmal gründlich
„begossen“.
Claudia hatte ihr Gnu immer noch nicht. Weil Nolte keine Zeit mehr hatte, ging
Thomas am nächsten Morgen mit ihr los.
Der
Kameramann natürlich mit dabei. Wieder erfolglos. Ich habe erst einmal
ausgeschlafen.
Nachmittags sollten wir beide zwei Hochsitze besetzen, Claudia einen an einem
Wasserloch, wo ein alter Einzelgänger-Gnubulle seinen Einstand hatte, ich
auf einer riesengroßen Wiese, wo ich wahrscheinlich viel Wild beobachten
würde. Lange saßen wir nicht, denn ein gewaltiges Gewitter zog auf.
Ich kletterte vom Hochsitz herunter und suchte unter einem Baum Unterschlupf.
Aber afrikanische Gewitter sind etwas anderes als unsere heimischen, da regnet
es nicht, es schüttet! Ich wurde, trotz Baum, pitschenass. Bald wurde ich
abgeholt, auch Claudia war es nicht besser ergangen. Und wir wurden in unserem
Elend noch gefilmt!
Morgen war der letzte Tag. Das Gnu war immer noch nicht erlegt. Es wurde beschlossen,
dass Claudia den ganzen Tag im Busch verbringen sollte, damit Klaus endlich
einen Abschuss von der Hauptdarstellerin filmen konnte. Ich wollte mich wieder
auf den Hochsitz auf der großen Wiese hinsetzen, Tiere beobachten.
Am nächsten Morgen, ich saß am Frühstückstisch, ein Jubelschrei
von draußen, Claudia hat ihr Gnu geschossen! Endlich! Ich fuhr direkt
mit, um beim Bergen zuzuschauen. Es war ein uralter Gnubulle. Auch hier wurde
alles gefilmt, das Bergen, das Aufbrechen, Claudia wurde interviewt.
Nach dem Mittagessen hatte sich die Aufregung wieder gelegt und ich wurde noch
ein letztes Mal in den Busch gefahren zum Tiere schauen. Ich konnte Herden von
Kuhantilopen, Impalas, eine Wasserbock-Kuh mit Kalb sowie mehrere Kudus beobachten.
Am nächsten Tag sollte es wieder nach Hause gehen. Der Abschied fiel schwer.
Afrika ist ein herrliches Land, eine Reise dorthin lohnt immer. Ich werde bestimmt
zusammen mit meinem Mann wiederkommen, denn ein Warzenschwein möchte ich
noch jagen!